Facebook: Kostenlose iPhones, Fake Profile und Confessions

Was haben kostenlose iPhones, Fake Profile und Beichten miteinander zutun? Auf den ersten Blick nichts, aber auf den zweiten werden so einige Verbindungen erkennbar.

Vermutlich jeder, der Facebook nutzt, hat in letzter Zeit die vielen dubiosen Facebook Seiten bemerkt, welche angeblich über riesige Restbestände an iPhones oder anderen (meist Apple-)Produkten verfügen und diese vermeintlich an zufällige Nutzer verschenken. Bildschirmfoto 2013-03-31 um 22.03.23Als passionierter Schnäppchenjäger habe ich ja schon eine Menge Angebote im Internet gesehen und genutzt, ob effektiv kostenlose Handyverträge mit einer Wii als Geschenk oder einem viertägigen Trip nach Budapest incl. Flug und Hotel für 25€. Dennoch sollte man nie vergessen seinen gesunden Menschenverstand anzuschalten und die Fähigkeit entwickeln, den manchmal kleinen Unterschied zwischen absolutem Schnäppchen und reiner Veräppelung zu erkennen.

Eine Firma wie Apple, welche mehr als eine Milliarde Dollar ins Marketing und die Werbung steckt, wird ihre Produkte wohl kaum selbst verschenken. Dennoch nutzen solche Facebook Seiten oft das Apple Logo als Profilbild, obwohl nicht zuletzt nach der Geschichte des Bonner Café Apfelkind bekannt sein dürfte, dass der Apple Konzern seine Markenrechte vehement verteidigt. Wie überall im Internet spricht aufgrund der Impressumspflicht die nicht nur für Webseiten, sondern auch für Facebook Pages gilt, ein fehlendes Impressum für nichts positives. Wenn hinter solch einer Lagerräumung tatsächlich mal ein seriöser Fachhändler stecken sollte, dann möchte er doch verständlicherweise auch etwas von der Aktion haben, wenn schon kein Geld dann sollen doch wenigstens so viele Menschen wie möglich von der Wohltat wissen und sie mit dem Händler assoziieren.

Was aber bringt den Hintermännern der Aufwand?

In nahezu allen Fällen sollen die Nutzer eine Seite mit „gefällt mir“ markieren, einen Kommentar schreiben und die Seite oder ein Foto dieser Seite teilen. Viele sind sich gar nicht über den viralen Effekt bewusst, den sie mit einem Like oder einem Kommentar auslösen. Denn jeder deiner Facebook Freunde, zumindest alle innerhalb deiner Filter Bubble, sehen deinen Like oder Kommentar in ihrem Newsstream und liken, kommentieren oder teilen ebenfalls munter drauf los. Durch den viralen Effekt verbreitet sich eine solche Seite dann sehr schnell und es kommt rasch innerhalb weniger Stunden eine 5-6stellige Anzahl an Likes zustande. Die Seiten werden daraufhin z.B. bei Ebay verkauft, es wird Affiliate Marketing betrieben oder im schlimmsten Fall werden Links zu Schadsoftware verbreitet um Facebooknutzer z.B. mit Trojanern zu infizieren.

Aber was hat das mit Fakeprofilen und Confessions zutun?

Bildschirmfoto 2013-03-29 um 16.10.07Um mehr Likes zu bekommen starten auch Firmen oder normale Seiten ab und zu eine Verlosungsaktion oder ähnliches. Allerdings gibt es auch hier hinsichtlich der Durchführung der Gewinnspiele schwarze Schafe, die ich anhand eines Beispiels darstellen möchte.

Nach dem mittlerweile abflachenden Spotted-Hype ist mir vor allem eine Facebook Seite aufgefallen: My Confessions: Beichte dein Geheimnis. Auf dieser werden nach dem Spotted-Prinzip Beichten per Nachricht an die Seite geschickt und anschließend anonym veröffentlicht. Auch diese Seite hat zwei iPhones verlost und wie man anhand der Teilungen, der Kommentare und der Likes erkennen kann, war die Aktion  ein voller Erfolg und hat mit Sicherheit viele neue Likes der Freundesfreunde generiert. Schöne Sache, wenn man es dann aber auch seriös durchzieht und die iPhones auch verlost. Interessehalber habe ich mir mal die beiden Gewinnerprofile, vor allem ihre Likes angeschaut, aber schaut am besten mal selbst bei „Suzann“ und „Sonja„: Update: Mittlerweile sind die Likes nicht mehr öffentlich auf Facebook einsehbar und der Gewinnspiel-Post wurde ebenfalls gelöscht. Glücklicherweise habe ich zumindest einen Teil der Likes per Screenshot gesichert.

Suzann-LambértSonja-Liebig

Man braucht kein Detektiv zu sein um zu erahnen, wer wohl hinter den beiden Profilen und somit auch hinter My Confessions stecken dürfte. Es scheint als hätten die Gründer von Bibflirt bzw SpottedUniversity bzw das Team der Startupfreunde unter Leitung von Nik Myftari mit den Onlinebeichten per Facebook etwas zutun. Eine Nische, die jedoch außerhalb von Facebook bereits seit Jahren u.A. durch das Beichthaus beherrscht wird. Meiner Meinung nach wäre eine solche „Verlosung“ der iPhones an die eigenen Fakeaccounts an Dreistigkeit kaum zu überbieten. Sehr peinlich, sollte ein solches Verhalten dann mit der eigenen Person assoziiert werden da es nicht zuletzt aufgrund mehrerer wettbewerbsrechtlicher Gründe abmahnungsreif wäre. Update: Auch das DPMA liefert ein weiteres Indiz.

Die Quintessenz des Artikels ist daher die folgende: Seid kritisch, hinterfragt Dinge, scheut euch nicht vor ein wenig Recherche und zieht immer eure eigenen Schlüsse. Es gibt im Internet zwar viel umsonst, aber nicht alles. Wie sagt man in Sillicon Valley?

„If you are not paying for the product, you are the product.“

Ich hoffe, euch hat der Artikel und der tiefere Einblick in die Machenschaften rund um Facebook gefallen und freue mich über Likes, Shares und natürlich Kommentare, es gibt allerdings kein iPhone zu gewinnen 😉

About Darius Torabian

Ein Blog von Darius Torabian, rund um Medienrecht, Social Media, Eventmanagement und anderes Interessantes, dass mir über den Weg läuft :)

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