Hintergründe der geplanten Telekom-Drosselung

Die Telekom hat letzte Woche den Vogel abgeschossen. Ab 2. Mai gibt es für alle neuabgeschlossenen DSL-Verträge eine Volumenobergrenze pro Monat mit anschließender Drosselung. Jeder der mit seinem Handyvertrag schon mal an diese Grenze gekommen ist, weiß wie sich das anfühlt. Zwar gilt diese Regelung nur für Neuverträge und wird für diese laut der Telekom auch nicht vor 2016 technisch umgesetzt, dennoch war die Meldung der Auslöser für einen Shitstorm mit tausenden Kommentaren auf der Telekom-Fanpage und selbst Wirtschaftsminister Rösler wendet sich persönlich an Vorstandschef Obermann.

telekomDie künftigen Obergrenzen im Einzelnen:

  • Tarife mit bis zu 16 Mbit/s Geschwindigkeit: 75 GB
  • Tarife mit bis zu 50 Mbit/s Geschwindigkeit: 200 GB
  • Tarife mit bis zu 100 Mbit/s Geschwindigkeit: 300 GB
  • Tarife mit bis zu 200 Mbit/s Geschwindigkeit: 400 GB

Einen VDSL Anschluss mit 200 MBit/s kann man somit nur noch 4,4 Stunden voll ausnutzen bis die Volumengrenze erreicht ist und man bis zum Rest des Monats auf 384 kbit/s gedrosselt wird (das sind 0,19% der ursprünglichen Geschwindigkeit!). Wie sich das anfühlt zeigt Youtuber Patrick Hempel. Die Telekom begründet die Kursänderung mit dem starken Wachstums des Datenverkehrs.

„Immer höhere Bandbreiten lassen sich nicht mit immer niedrigeren Preisen finanzieren. Den Kunden mit sehr hohem Datenaufkommen werden wir in Zukunft mehr berechnen müssen. Volumentarife sind im Mobilfunk längst üblich. Und sie haben den Vorteil, dass nur die Kunden mehr zahlen müssen, die tatsächlich mehr Volumen beanspruchen.“ – Telekom

Der deutsche Hersteller von Business-Internetroutern Viprinet wirft der Deutschen Telekom jedoch falsche Aussagen bei der Abschaffung der Flatrate vor. „Die Begründung, dass die Drosselung eingeführt werde, damit die Backbones nicht überlastet werden“, sei unglaublich, so Viprinet-Geschäftsführer Simon Kissel. „In Deutschland gibt es gigantische Backbone-Überkapazitäten“, der Datenverkehr sei dort zu Spottpreisen zu realisieren. „Bei einem DSL-Zugang macht das in der Gesamtkalkulation des Providers nur Cent-Beträge aus.“ 

Netzneutralität in Gefahr

Doch die Diskussion muss sauber geführt werden. Die Einführung einer Volumenobergrenze mit anschließender Drosselung ist zwar eine Frechheit, aber im Entscheidungsrahmen der Telekom und somit legitim. Das wirkliche Problem liegt an der Bevorzugung eigener Dienste wie Entertain. Der Traffic der eigenen Dienste soll nämlich nicht zum monatlichen Freivolumen addiert werden sondern außen vor bleiben. Konkurrierende Anbieter von Streaming- oder Download-Videos wie Apple, Amazon und Watchever (oder Musikstreamer wie Spotify) werden somit massiv benachteiligt und das Prinzip der Netzneutralität ist gefährdet. Wer mehr Volumen mit Fullspeed möchte, muss nach Ansicht der Telekom künftig auch mehr bezahlen. Neben der üblichen Abrechnung von Hostern möchte die Telekom offenbar zukünftig auch auf Seiten des Nutzers die Hand auf halten.

Vorratsdatenspeicherung durch die Hintertür

Ein weiteres Problem sieht aber der Datenschützer in mir. Um Volumengrenzen durchzusetzen muss ein Provider Verbindungsdaten speichern und dies ist ihm auch durch das Gesetz erlaubt, solang er sie zur Abrechnung benötigt. Mit Einführung der Flatrates hatten Kunden erfolgreich gegen die Datenspeicherung geklagt mit der Folge, dass die Internetanbieter die Speicherfristen massiv reduzierten, im Falle der Telekom bspw. von 80 auf 7 Tage. Eine Rückkehr zum Volumenmodell bedeutet also auch eine größere und über längeren Zeitraum gesicherte Speicherung der Verbindungsdaten, auf die Ermittlungsbehörden natürlich jederzeit zugreifen können. Auch ohne gesetzliche Vorratsdatenspeicherung die 2010 vom Bundesverfassungsgericht gekippt wurde.

Ich kann nur alle aufrufen, sich gegen die geplanten Tarifänderungen der Telekom zu wehren, der erste Schritt ist das Unterzeichnen der entsprechenden Petition.

About Darius Torabian

Ein Blog von Darius Torabian, rund um Medienrecht, Social Media, Eventmanagement und anderes Interessantes, dass mir über den Weg läuft :)

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